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JURKA

Am 26.06.2020 ist Bärengedenktag. Heute vor genau 14 Jahren wurde Braunbär BRUNO in Bayern erschossen, im Auftrag der Landesregierung. Begründet wurde dies damit, dass er den Menschen zu nahekam, auffällig wenig Scheu vor ihnen zeigte. Er war der erste freilebende Bär in Deutschland seit 171 Jahren. Seine Geburt war ein Erfolg für den Artenschutz, sein Tod ein Resultat menschlichen Fehlverhaltens. Um zu verstehen wie es dazu kam und damit es in Zukunft vermieden werden kann, muss man einen Blick auf seine Geschichte werfen. Und die beginnt Mitte der Neunziger in der Wildnis Sloweniens mit der Geburt seiner Mutter JURKA.

Es ist das malerische Jurka Tal, in der die Bärin das Licht der Welt erblickt und dem JURKA ihren Namen zu verdanken hat. Während die junge Vierbeinerin in der freien Wildbahn Osteuropas zu einer Bärendame heranwächst, ist in Italien ein Artenschutzprojekt im vollen Gang. Das Ziel von Life Ursus ist es, die drastisch niedrige Braunbärenpopulation im norditalienischen Trentino zu stärken, auf ein gesundes Maß anzuheben. Wie soll das geschehen? Durch eine einfache Idee: einzelne Tiere aus Gebieten, in denen es sehr viele Bären gibt, werden „umgetopft“. Sie werden also in ihren Heimatländern eingefangen und in Italien wieder ausgewildert. Auch in Slowenien sucht man nach passenden Individuen. Auf diese Weise kommt JURKA nach Mitteleuropa.

Im Trentino fand sie nun, wie viele andere Braunbären auch, ein neues Zuhause. Hier konnte sie in den Wäldern alles anwenden, was sie in ihrer wilden Kinderstube erlernt hatte. Das Suchen nach Futter und wichtigen Heilkräutern, das Jagen, das Klettern auf Bäume, das Graben von Höhlen, das Durchsetzen gegenüber Artgenossen und vieles mehr was man braucht, um selbständig in der Natur zu überleben. Eines Tages traf sie auf JOSE, einem Bärenmann, der ebenfalls im Rahmen von Life Ursus nach Italien verbracht wurde. Die beiden verpaarten sich und im folgenden Jahr wurde ihr Sohn geboren. Aus den Anfangsbuchstaben der Eltern kombiniert mit der Zahl 1 als Erstgeborener ergab sich seine wissenschaftliche Bezeichnung JJ1. Auch ihrem Nachwuchs zeigte sie, wie man die Widrigkeiten überwindet, um als Wildbär in der Natur zu überleben. Und das wohl wichtigste dabei ist – wie komme ich an Futter?

Für Wildtiere ist die Beschaffung von Nahrung durchaus eine heikle Angelegenheit, die viel Zeit in Anspruch nimmt und mitunter gefährlich sein kann. Und genau diese Schwäche wurde von rücksichtlosen Menschen ausgenutzt, um Bären für Touristen anzulocken. Auch JURKA und JJ1 wurden auf diese Weise Opfer des Tourismus. Für eine kurze Gaudi, um zwischen Mittag und Abendessen mal eben Bären in freier Wildbahn zu sehen, wurden sie angefüttert. Was für Mutter und Sohn natürlich zunächst sehr angenehm war, denn so konnten sie Nahrung finden, ohne großen Aufwand zu betreiben.

Und genau das prägte sich in ihren Kopf, in ihr Verhalten ein: wo es Menschen gibt, gibt es auch einfache Nahrungsquellen.

Mit diesem Wissen machte sich der Jungbär im Frühling 2006 auf den eigenen Weg. Er verließ seine Mutter und wanderte über die Alpen, schaute abwechselnd in Österreich, Deutschland und Italien vorbei. Dabei setzte er die Taktiken um, die er gelernt hatte: der effektivste, einfachste Weg zu Futterbeschaffung ist in der Nähe von Menschen zu finden.

Bienenstöcke, Schafställe – hier beschaffte sich der junge Bärenmann seine Nahrung. Dieser augenscheinliche Mangel an Scheu vor Menschen brachte ihm den Ruf eines „Problembären“ ein und die Medien gaben ihm den Namen BRUNO. Die Gemüter kochten, Schlagzeilen von BRUNOs Plünderungen überschatteten die damalige Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland. Am 26.06.2006 kam es schließlich zum Drama in Bayern: BRUNO wurde erschossen. Ein junger Bär, der zweieinhalb Jahre alt war, einen Widerristhöhe von weniger als einen Meter hatte und 2 Zentner auf die Waage brachte, versetzte eine ganze Region in Aufruhr.

Was geschah mit seiner Mutter JURKA, der durch das Anfüttern eine ähnlich geringe Scheu vor Menschen antrainiert wurde? Sie wurde eingefangen und mehrfach von einer Unterbringung in die nächste gebracht. Die einstige, freiheitsliebende Wildbärin musste zum Beispiel eine Zeit lang in einem Bärengraben im Kloster San Romedio, einem Orden der Franziskaner Mönche, leben. Glücklicherweise konnte sie von dort gerettet werden und kam schließlich am 26. August 2010 in unser Schwarzwälder Tierschutzprojekt, wo sie noch heute in den großen Freianlagen lebt.

Für uns ist sie ein Symbol dafür, welche Verantwortung der Mensch gegenüber den Wildtieren und welchen mitunter gravierenden Einfluss auf ihren Lebensraum hat. Sie zeigt wie kaum ein anderer Vierbeiner, dass Wildtiere nicht in Gefangenschaft, sondern in Freiheit gehören. Heute, am Bärengedenktag, möchten wir darauf aufmerksam machen und an die Menschen appellieren, sich den Folgen ihres Handelns bewusst zu werden. Es gilt den natürlichen Lebensraum zu schützen. Ein wichtiger Punkt dahingehen ist es, Fehlverhalten zu vermeiden. Allen voran das Anfüttern.

Für die Menschen im Industriestaat Deutschland ist es ungemein wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sich aufzuklären und richtiges Verhalten zu lernen. Denn aktuell ist wieder ein junger Bärenmann in Bayern unterwegs. Ob auch aus ihm ein Problembär wird oder nicht, liegt letzten Endes in menschlicher Hand.

 

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