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#bärenwaldfürsarah

Der Tierpark Gotha hat auf unsere Kritik mit einem öffentlichen Brief reagiert. Hier nun unsere Antwort auf diesen Brief:

Sehr geehrter Herr Gösel,
sehr geehrte Frau Engelhardt,
sehr geehrte Frau Wimmer,

seit vielen Jahren stehen wir in Kontakt mit dem Tierpark Gotha, um die Situation der Bären dort zu verbessern. Bereits Herrn Walter, dem ehemaligen Tierparkleiter, wurde das Angebot zur Übernahme und Beratung unterbreitet.

Dies wurde aber leider nie wahrgenommen.

Auch in den letzten 3 Jahren waren wir mehrfach vor Ort und haben Gespräche und Unterstützung angeboten, beispielsweise auch mit Herrn Koch. In diesen Gesprächen haben wir mehrfach aufgefordert, sich gemeinsam an einen runden Tisch zu setzen und zum Wohle der Tiere Lösungen zu finden. Nicht nur für die Bären!

Zuletzt intensivierte sich die Thematik Anfang dieses Jahres. Uns wurde in einem persönlichen Telefonat mit Frau Schröder mitgeteilt, dass man gerne den beiden Bären einen tiergerechten Lebensabend bescheren möchte und es durchaus denkbar, gar wünschenswert wäre, dass sie diesen verdienten Lebensabend im Projekt WORBIS finden können. Doch die Gespräche scheiterten ganz konkret an einem Punkt: keine Bären mehr nach „Sarah“. Denn wir stellen eine elementare Anforderung an Ihre Einrichtung und jede andere, von der wir Bären übernehmen: Zukünftig ist jegliche Bärenhaltung zu unterlassen. Dies gilt bei all unseren Kooperationen: Alte Bären abzuschieben, um sich dann neue, jüngere zu holen, wiederspricht unserer Philosophie und dem Tierschutzgedanken. Wir sind KEINE Sammelstelle für ausgediente Attraktionen oder auf Deutsch gesagt: kein Mülleimer für eine verfehlte Tierparkpolitik. Die STIFTUNG verfolgt das Ziel, ein Ende der Zucht von Bären in Gefangenschaft zu erreichen, da diese niemals artgerecht untergebracht werden können.

Nach unserer Forderung deklarierte man plötzlich die mangelhafte Gothaer Bärenanlage als gut, schließlich sogar als artgerecht. Frau Angelika Wimmer, Fachtierärztin für Zoo -, Wild- und Gehegetiere und Fachberaterin im Tierpark Gotha, hat uns im vorgenannten früheren Telefonat jedoch erzählt, dass sowohl sie als auch Frau Engelhardt daran interessiert sind, Bärin „Sarah“ abzugeben, damit sie einen tiergerechten Lebensabend in unserem Tierschutzprojekt verbringen kann. Sie bezeichnete die Anlage als nicht bärengerecht, wollte keine Bären mehr darin sehen und führte zeitgleich an, dass die Geschäftsführung leider an den alten Strukturen festhält. Nach der Behauptung, man würde die Bären am liebsten abgeben, kam jetzt die Aussage, der Bärin ginge es "sehr gut". Zur Entscheidung, „Sarah“ nicht abzugeben kam es – anders, als Sie nun behaupten – bereits vor dem Tod von „Ben“, wie der Schriftverkehr belegt.

Anstatt die Gründe der Kritik zu akzeptieren und endlich in Kooperation Lösungen zu suchen, erhalten wir nur Rechtfertigungen, die an der bisherigen Situation für die Tiere nichts ändern.

Diesbezüglich sei erwähnt:

1 die Mindestanforderungen zu erfüllen ist kein Kompliment, sondern eher ein Armutszeugnis, wenn man das Verhalten der verschiedenen Tierarten genau betrachtet

2 eine optische Abwechslung für die Besucher erhöht nicht die Lebensqualität der Tiere

3 ein Nachtkäfig ist kein adäquater Rückzugsort

4 mit guter Vorbereitung ist eine Narkose nicht erforderlich – das belegen zahlreiche Transporte unsererseits

5 die erzwungene Zucht von Bären und ein langes Leben ist kein Indikator für deren Wohlbefinden

6 keine Bären in unserer Obhut sind kurz nach ihrer Ankunft verstorben, alle Tiere von Ankunft bis zum Ableben können auf www.baer.de nachverfolgt werden - im Gegenteil: die Tiere blühen auf und zeigen plötzlich wieder ein natürliches Verhalten, ganz anders als in der vorherigen Haltung. Hier wäre es auch angebracht gewesen, bei uns direkt nachzufragen – wie wir das auch bei Ihnen getan haben - anstatt solche Falschinformationen ohne Nachfrage zu übernehmen.

7 Warum wurde es versäumt, nach dem Ableben von Ben den Kontakt zu uns aufrecht zu erhalten? Wir sind immer offen für Gespräche, aber es muss dann auch gehandelt werden. Die Anfragen und Beschwerden von Besuchern des Tierparks erreichten uns (verstärkt in den vergangenen Wochen) in sehr großen Mengen. Zuletzt bemühten wir uns in über 15 Versuchen telefonischen Kontakt herzustellen. Wir wurden nicht zurückgerufen, abgewiegelt oder eine Gesprächsbereitschaft wurde verneint. Daraufhin haben wir in einem letzten Telefonat angekündigt an die Öffentlichkeit zu gehen, sollte nach wie vor keine Reaktion erfolgen. Nun wird immerhin reagiert.

Noch ist es nicht zu spät, „Sarah“ einen tiergerechten Lebensabend zu ermöglichen. Im Tierpark Gotha wird dies leider nicht möglich sein. Wir bieten daher nach wie vor eine Übernahme der Bärin an und weiterhin die Beratung, um aus dem veralteten Tierpark eine moderne, zukunftsfähige Einrichtung entstehen zu lassen, von der zuerst die Tiere, aber auch das Stadtimage profitieren werden. Dazu ist aber ein grundlegendes Umdenken und ein modernes Konzept notwendig. Wir sind jederzeit bereit für einen gemeinsamen Termin, zum Wohle von „Sarah“, aber auch den anderen Tieren. Zahlreiche Kooperationen der Vergangenheit zeugen von unserer Fachkompetenz, so zum Beispiel der Wildpark Knüll, der Tierpark Hirschfeld, der Tierpark Wiesbaden, der Tierpark Bielefeld und nicht zu Letzt der Tierpark Bern.

Wir hoffen auf Ihre Einsicht, denn das Wohlergehen der Tiere liegt in Ihren Händen. Uns ist durchaus eine leichte Verbesserung der Situation im Vergleich zu den letzten Jahren aufgefallen, mit der bestehenden Struktur ist eine merklich spürbare, positive Entwicklung allerdings nicht möglich. Lassen Sie uns gemeinsam aus dem unzeitgemäßen Tierpark Gotha ein Projekt für die Zukunft entwickeln.

Mit bärenstarken Grüßen

Bernd Nonnenmacher

Ursprüngliches Schreiben vom Tierpark Gotha bezüglich unserer Kritik:

Sehr geehrter Herr Nonnenmacher,
zunächst finden wir es sehr wichtig, dass Sie mit Ihrem Anliegen im Sinne des Tierwohls an uns herangetreten sind. In diesem Zusammenhang möchten wir auf einige Punkte eingehen.

In der Darstellungen Ihres Facebook-Beitrages wird sich optisch lediglich auf den vorderen Bereich der Anlage bezogen. Dabei wird missachtet, dass es schon vor Jahren eine Erweiterung der Anlage gab, welche zur Raumvergrößerung beigetragen hat. Die Anlage mag für größere Bärenpopulation zu klein sein, für zwei bzw. wie in diesem Fall für einen Bären haben wir die Bestätigung des Veterinäramtes, Sarah in unserer Anlage einen entspannten Lebensabend ermöglichen zu dürfen.

Sie sprechen zudem die Abgrenzung an. Eine äußere Abgrenzung ist zum Schutz der Besucher nun mal erforderlich, wobei unsere Anlage eine optische Abwechslung aus Sandsteinadaption, Zaun und Sichtglas ermöglicht. Auch Rückzugsmöglichkeiten für Sarah sind in der Anlage zur Genüge vorhanden. Sie kann sich in den Innenraum zurückziehen, nutzt das Wasserbecken zum Planschen und den schattigen Durchgang zwischen den Außeneinheiten als Höhle, hat Baumstämme und Sandkuhlen, als Schutz vor den Blicken der Besucher.

Sie merken in ihrem Beitrag eine fehlende Struktur an, jedoch ist diese nach der Umstrukturierung der Anlage unübersehbar vorhanden. Auch die 3-Dimensionalität bzw. Hügelstruktur ist seit jeher durch den Terrassenbau gegeben und wird durch die Neustrukturierung mittels Sandsteinen und großen Baumstämmen noch verstärkt. Neue Duft-, Futter- und Spielbälle wurden angeschafft, um das bereits zuvor täglich durchgeführte Enrichment zu erweitern und sämtliche Sinnesorgane weiterhin zu schulen und anzusprechen. Die Vergesellschaftung mit den Steppenfüchsen stellt ebenfalls eine Bereicherung für Sarah dar. Die Tierparkleitung arbeitet entsprechend der eben genannten Maßnahmen kontinuierlich an der Gehegeverbesserung. Stetig zur Seite steht dem Tierpark Gotha dabei das Veterinäramt sowie eine Fachtierärztin für Zoo -, Wild- und Gehegetiere.

Bezüglich des Transportes: Um einen Bären transportieren zu können, muss dieser in Narkose gelegt werden. Bei älteren Tieren, wie auch bei Menschen, birgt eine Narkose immer auch eine Gefahr. Zusätzlich stellt eine fremde Umgebung einen deutlichen Stressfaktor dar und kann unter Umständen auch zu Herzproblemen führen. Sarah lebt seit ihrem ersten Lebensjahr im Tierpark Gotha, ist hier aufgewachsen und groß geworden. Dass sie ein solch hohes Alter erreicht hat, spricht für eine gute Fürsorge und eine gute Haltung. Davon zeugt auch die erfolgreiche Nachzucht.

Abgesehen von Ihrem Angebot, waren wir es, die zuvor im Frühjahr an sie herangetreten sind. Damals war unser Bär Ben bereits schwer krank und wir haben unterschiedlichste Wege für Sarah in Betracht gezogen, falls Ben nicht aus der Narkose aufwachen sollte. Er hat die Behandlung jedoch gut überstanden und konnte noch einige Wochen mit seiner Gefährtin Sarah verbringen, sodass wir die Möglichkeit hatten, die vielfältigen Alternativen für die Folgezeit in Ruhe durchzugehen. Nach Abwägung aller Optionen haben wir uns für die Erhaltung von Sarahs Zuhause in Gotha entschieden. In diese Entscheidung floss unter anderem auch der Kontakt mit anderen Fachabteilungen von Tierparkeinrichtungen mit ein, die uns darüber informierten, ältere Bären in den Alternativen Bärenpark Worbis abgegeben zu haben, welche dort nach Kurzem leider verstarben.

Wir möchten Sarah in ihrem bekannten Umfeld, in dem sie groß geworden ist, einen angenehmen Lebensabend ermöglichen.

Christoph Gösel, Geschäftsführer der KulTourStadt Gotha GmbH
Anett Engelhardt, amtierende Tierparkleitung des Tierpark Gotha
Angelika Wimmer, Fachtierärztin für Zoo -, Wild- und Gehegetiere und Fachberaterin im Tierpark Gotha

 

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